Quantenkommunikation zum Tüfteln und Testen

Der zweite Quantum Hackathon am Fraunhofer IOF

Wie sicher ist Quantenkommunikation unter realen Bedingungen – und was können gezielte Angriffe über ihre Stärken und Schwachstellen verraten?

Beim zweiten Quantum Hackathon am Fraunhofer IOF in Jena gingen rund 20 internationale Teilnehmende diesen Fragen praktisch auf den Grund. 

Zwei Tage lang arbeiteten sie gemeinsam daran, ein reales Quantenkommunikationssystem zu untersuchen, Signale abzufangen und die Auswirkungen ihrer Eingriffe auszuwerten.

Teilnehmende des Hackathons als Gruppenfoto
© Fraunhofer IOF

Was ist Quantum Hacking?

Auch quantensichere Systeme müssen sich in der Praxis bewähren

Quantenkommunikation nutzt einzelne Lichtteilchen – sogenannte Photonen – und deren quantenphysikalische Eigenschaften, um Informationen besonders sicher zu übertragen. Ein unbemerkter Zugriff auf eine quantenverschlüsselte Verbindung ist grundsätzlich nicht möglich: Jeder Eingriff verändert das System und kann dadurch erkannt werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass reale Quantenkommunikationssysteme automatisch unangreifbar sind. Sie bestehen aus optischen und elektronischen Komponenten, Messgeräten, Steuerungen und Software. Diese praktische Umsetzung kann Eigenschaften oder Schwachstellen aufweisen, die sich gezielt untersuchen lassen.

Quantum Hacking

setzt genau hier an. Es geht nicht darum, die Gesetze der Quantenphysik zu umgehen. Stattdessen werden reale Systeme unter kontrollierten Bedingungen angegriffen, um besser zu verstehen, wie sie reagieren, welche Spuren ein Eingriff hinterlässt und wie zukünftige Anwendungen noch robuster gestaltet werden können.

Quantum Hacking bedeutet nicht, die Gesetze der Quantenphysik zu umgehen – das ist unmöglich. Stattdessen nutzen Angreifer Eigenschaften oder Grenzen der verwendeten Hardware oder Protokolle aus. Solche Angriffe zeigen, wie wichtig es ist, QKD-Systeme sorgfältig zu entwickeln und gründlich zu testen, damit die erzeugten Schlüssel wirklich sicher bleiben.

© Fraunhofer IOF

Zwei Tage voller Ideen und Experimente

Nach der erfolgreichen ersten Ausgabe im Jahr 2025 kehrte der Quantum Hackathon am 29. und 30. Juli 2026 mit einem erweiterten zweitägigen Format nach Jena zurück.

Zu Beginn vermittelten Fachleute die Grundlagen der Quantenkommunikation und führten in die Funktionsweise des experimentellen Systems ein. Anschließend entwickelten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen eigene Ansätze für die gestellte Aufgabe.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht allein die Frage, ob sich ein Signal abfangen lässt. Entscheidend war, die gewonnenen Daten richtig zu interpretieren und zu untersuchen, wie sich der Angriff auf das gesamte Kommunikationssystem auswirkt.

So verband der Hackathon theoretisches Wissen mit praktischer Laborarbeit, gemeinsamer Fehlersuche und kreativem Experimentieren.

Nach einer ersten Phase, in der softwarebasierte Strategien und Angriffskonzepte erarbeitet wurden, setzten die Teams ihre Ideen im Labor praktisch um. Dafür standen ihnen ein Arbitrary Waveform Generator (AWG), ein Phasenmodulator, ein Intensitätsmodulator sowie weitere optische Komponenten zur Verfügung. Mit dieser Ausstattung konnten sie das Quantensignal zwischen Alice (Senderin) und Bob (Empfänger) manipulieren und anschließend beobachten, wie sich ihre Eingriffe auf die Fehlerrate (Quantum Bit Error Rate, QBER) auswirkten – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass jeder Angriff Spuren hinterlässt.

Die drei Teams – EVEL, Qrackers und JENeavesdroppers – entwickelten dabei ganz unterschiedliche kreative Ansätze. Der direkte Vergleich zwischen theoretischen Erwartungen und dem realen Verhalten des Systems sorgte für zahlreiche Aha-Momente und verdeutlichte, warum Quantenkommunikation als zukunftssichere Technologie gilt.

© Fraunhofer IOF
Der Versuchsaufbau

Der Hackathon nutzte ein Testbed, das aus drei funktionalen Einheiten bestand

Alice (Source)

Erzeugt schwache kohärente Lichtpulse und kodiert Zufallsbits über time bins (early/late) und relative Phase. Die Pulse werden über eine optische Faser an Bob übertragen.

Bob (Detector)

Misst die eingehenden Pulse mit zufällig gewählten Basen mittels Einzelphotonendetektoren und kommuniziert über einen klassischen Kanal mit Alice, um die zur Schlüsselbildung geeigneten Bits zu bestimmen.

Eve (Hacker)

Die Teilnehmenden konnten das Quantensignal mit bereitgestellten Laborgeräten beeinflussen, darunter ein Arbitrary Waveform Generator (AWG), ein Phase Modulator, ein Intensity Modulator sowie weitere optische Komponenten.

Der Aufbau ermöglichte es, gezielte Manipulationen am Quantensignal vorzunehmen und deren Auswirkungen auf die Quantum Bit Error Rate (QBER) zu beobachten.

Abb. 1. Versuchsaufbau für den Quantum Hackathon.

Highlights & Erkenntnisse

Der Hackathon brachte viele eindrucksvolle Momente hervor

Die Teams entwickelten kreative Ansätze, um das System herauszufordern.

Der direkte Vergleich zwischen Theorie und realem Verhalten des Systems sorgte für zahlreiche Aha-Effekte.

Die Teilnehmenden erfuhren aus erster Hand, warum Quantenkommunikation als zukunftssichere Technologie gilt: Jeder Angriff hinterlässt messbare Spuren.

Stimmen von Teilnehmenden

Ausblick: Wie geht es weiter?

Der nächste Quantum Hackathon findet 2026 statt. Bis dahin wird das Format weiterentwickelt – mit neuen Aufgaben, zusätzlichen Einblicken in Quantenkommunikation und noch mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung.

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